Keen, als Hersteller von Sandalen groß geworden, hat auch eine interessante Auswahl an Wanderschuhen. Der Targhee 2 Mid ist ein leichter, wasserdichter Wanderstiefel der Kategorie A-A/B.

Test Keen Targhee 2 Mid

Die Kategorie A/B bezeichnet weich abgestimmte Wanderschuhe, mit denen man in den Mittelgebirgen oder auch in den Voralpen auf guten Wegen komfortable unterwegs ist. Forst- und Wirtschaftswege, kein ausgesetztes Gelände. Die Sohle ist flexibel genug für weiches Abrollen, der Schaft gibt schon guten Halt.

Der Targhee fällt klein aus! Bei einer Schuhgröße von normalerweise DE 44/UK 10 musste er in DE 45,5/UK 10,5/US 11,5 gewählt werden. Das Gewicht pro Paar betrug in der getesteten Größe 1080 Gramm. Der Keen Targhee 2 Mid ist sowohl in einer Männer- als auch einer Frauenversion erhältlich und hat einen UVP von € 139,95.

Auffälligstes Merkmal am Targhee 2 Mid ist seine dicke, klobig anmutende Sohle. Ein im Vorfuß sehr asymmetrischer Schnitt, hochgezogener Zehenschutz und grobes Sohlenprofil vervollständigen das unverwechselbare Erscheinungsbild. Ein typischer Keen eben.

Keen Targhee 2 Mid

Keen Targhee 2 Mid

Das Obermaterial beim Targhee besteht aus weichem Leder, Faltlasche und Schaftabschluss aus weichem Nylon. Die Keen-eigene Keen.Dry Membran soll als wasserdichte, atmungsaktive Einlage für einen von außen trockenen Fuß sorgen. Das synthetische Futter ist mit Aegis Microbe Shield ausgerüstet, lt. Keen „…(ein) Mikrobenschutz (der) Bakterien und Pilze (bekämpft), die Gerüche, Flecken und Produktschädigungen verursachen. Außerdem verzichtet die Aegis-Technologie vollständig auf umweltschädliche Materialien.“

Schafthöhe und Schnürung sind ganz auf den Einsatzzweck als leichter, bequemer Wanderstiefel ausgelegt. Der Schaft ist niedrig und weich, die Schnürsenkel laufen durch Textilschlaufen und nur einen Haken am Schaftabschluss, dadurch lassen sich die Schuhe schnell, aber leider nicht differenziert schnüren .

In der Praxis benahm sich der Targhee weitgehend entsprechend dem ersten Eindruck.

  • Das weiche Obermaterial passte sich druckfrei an den Fuß an, bot dem Knöchel im weglosen Gelände jedoch nicht allzuviel Halt.
  • Die Sohle bot genau das richtige Maß an Torionssteifigkeit und weichem Abrollen, um auf den Forstwegen und schmalen Pfaden eines typischen Mittelgebirges gutes Vorankommen zu sichern.

Die sehr grob profilierte Sohle vermittelte einen sicheren Kontakt zum Boden, hatte aber auf nassen, moosigen Felsen deutliche Schwächen in Punkto Traktion. Das ist nicht ungewöhnlich, denn diese schmierseifigen Oberflächen sind ohne eine richtig gute Vibramsohle am Schuh kaum einigermaßen sicher zu bewältigen und selbst dann wird es rutschig. Jedes andere Sohlenmaterial fällt da im Vergleich stark ab. Außerhalb dieses spezielleren Untergrundes aber war der Keen wirklich angenehm zu tragen. Ob loser Sand, Geröll oder hartgebackener Boden, die Sohle war immer griffig und angenehm gedämpft.

Keen Targhee 2 Mid Fersenfixierung

Keen Targhee 2 Mid Fersenfixierung

Leichte Probleme gab es beim Schnüren. Sobald man versuchte, einen einigermaßen festen Sitz an Ferse und Knöchel zu erreichen, wurde gleichzeitig der gesamte Vorfuß stärker abgeschnürt als nötig. Der Grund liegt im Fehlen klassischer Tiefzughaken, die es ermöglichen, Vorfuß und Schaft unterschiedlich fest zu schnüren. Stattdessen auch hier ein Paar Schlaufen, die über ein Band mit der Fersenkappe verbunden sind. Dieses soll einen guten Fersensitz ermöglichen, ist in der Realität aber völlig unbrauchbar. Zug auf dieses Band sorgt nur dafür, dass der Vorfuß zu stark abgeschnürt wird.

Allerdings gibt es einen kleinen Trick, wie man trotz dieser praxisfernen Konstruktion den Targhee gut anpassen kann:

Keen Targhee 2 Mid Schnürung
Keen Targhee 2 Mid SchnürungKeen Targhee 2 Mid SchnürungKeen Targhee 2 Mid Schnürung
  • Unter dem obersten Schlaufenpaar werden die Schnürsenkelhälften mehrmals umeinandergeschlungen.
  • Dann wird dieser Knoten und der darunterliegende Schnürsenkelteil angezogen.
  • Erst danach wird Zug auf das oberste Schlaufenpaar gegeben und der Schnürsenkel dann um die Abschlusshaken gelegt und verknotet.

So läßt sich der gewünschte Fersensitz erreichen, Schaft und Vorfuß können unterschiedlich fest geschnürt werden.

Die wasserdichte, atmungsaktive Keen.Dry Membran konnte mangels Niederschlägen im Testzeitraum nicht auf Dichtigkeit geprüft werden. Und wenn doch, wäre es nur eine Momentaufnahme im Neuzustand gewesen. Richtig prüfen könnte man dieses Ausstattungsdetail nur im monatelangen Gebrauch im Gelände.

Die allseits bekannten Nachteile jeder wasserdicht/atmungsaktiven Einlage im Wanderschuh waren jedoch auch beim Keen Targhee 2 Mid zu beobachten: der Fuß ist deutlich feuchter als in einem Schuh ohne einen solchen Nässeschutz. Egal, was Hersteller behaupten, eine solche Membran ist nun mal eine Barriere auch für den Fußschweiß. Ein Tag im Gelände mit unterschiedlichsten Socken und Schuhen verschiedener Hersteller an den Füßen läßt da keinen Zweifel: von außen trocken = innen feuchter. Das ist nun mal so und eben auch beim Keen Targhee 2 Mid.

Wanderstiefel und Socken im direkten Vergleich
Wanderstiefel im TestWanderstiefel im TestSockentest

Test Keen Targhee 2 Mid: Fazit

Der Targhee hat im Großen und Ganzen problemlos und unauffällig seinen Dienst versehen.

Ein Segen für breite Füße, die Keen-Optik des breiten Vorfußes setzt sich auch nach innen hin fort. Endlich mal Platz um die Zehen zu entfalten!

Die Sohle ist ein angenehmer Kompromiss, dick und dämpfend, aber nicht so bretthart, dass man damit nur durch die Gegend „bollert“. Dass die Traktion im Grenzbereich zu wünschen übrig lässt, ist ein ganz normales Merkmal aller Wanderschuhe, die nicht über eine auf die Brandsohle geklebte Vibramsohle verfügen.

Dass die Schnürung so geraten ist, liegt wahrscheinlich daran, dass schnelles Schnüren (einmal Schnürsenkel anziehen, um die oberen Haken herum, fertig) den Produktentwicklern wichtiger erschien als ein exaktes Anpassen. Glücklicherweise läßt sich dieses Manko sehr gut durch eine modifizierte Schnürung kompensieren.

Wer mehr Halt durch einen stabileren Schaft und richtige Schnürhaken bevorzugt, sollte das Modell Pyrenees in Erwägung ziehen. Dieses fängt von der Stabilität her da an, wo der Targhee aufhört.

Mit der durch die eingebaute Membran erhöhten Fußfeuchtigkeit muss jeder leben, der einen Wanderstiefel aus weichem, dünnem Leder und trotzdem Nässeschutz haben will. Entweder hat man dickes, nahtarm verarbeites Oberleder mit gutem Nässeschutz und dementsprechend einen schwereren Wanderstiefel oder den Komfort des dünnen Leders um den Preis des schlechteren Fußklimas. Beides zusammen geht nun mal nicht. Eine Alternative für trockene Gegenden wäre der Siskiyou Mid, bei diesem verzichtet Keen auf eine Membran.

Der sehr niedrige und weiche Schaft bietet nicht besonders viel Halt und Schutz für das Sprunggelenk. Ein echter Vertreter der Kategorie A/B ist der Targhee nicht.

Update 5.04.2012. Nach einem dreiviertel Jahr des Tragens – und währenddessen der grundsätzlichen Hinwendung zu leichten, weichen Wanderschuhen – bedarf dieses Fazit einer Ergänzung: Der Targhee II Mid macht längst nicht mehr den instabilen Eindruck von früher. Jetzt ist er ein sehr guter und ausreichend stabiler Wanderschuh für moderates Gelände. So können sich „Testergebnisse“ auch ändern, durch Erfahrungen und persönliche Weiterentwicklung.

Der Keen Targhee 2 Mid jedenfall ist ein angenehm zu tragender, von den Eigenschaften her sehr harmonischer Wanderstiefel der Kategorie A-A/B. Im Mittelgebirge und den Voralpen, dort auf guten, breiten Wegen(!), reicht er völlig aus. Der UVP von € 139,95 ist angemessen und wer mit der Keen-typischen breiten Passform zurechtkommt, kann bedenkenlos zugreifen.

Pro

  • Leicht
  • Weich abrollend
  • Für „Breitfüssler“

Contra

  • Wenig Halt im Schaft
  • Schnürung nicht optimal

Einsatzbereich

  • Mittelgebirge
  • Voralpen

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Wichtige Daten

  • Preis: 139,95 EUR (UVP)
  • Material: Leder, Nylon
  • Gewicht: 1080 gr./Paar/Gr. 10,5

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