Polartec Power Shield Pro; Grafik: Polartec

Polartec Power Shield Pro; Grafik: Polartec

Softshell in allen Variationen hat sich mittlerweile als das (nahezu) universelle Material für Outdoorbekleidung etabliert und jetzt hat die Evolution einen weiteren Schritt nach vorn gemacht: ein nahezu wasserdichtes Softshellmaterial, bei dem die materialtypische exzellente Wasserdampfdurchlässigkeit noch gesteigert worden sein soll.

Polartec Power Shield Pro heißt das neue Material und entwickelt wurde es vom Marktführer für Fleecestoffe, Polartec, vormals Malden Mills.

Polartec Power Shield Pro: der Aufbau

Als Weiterentwicklung des bereits gut etablierten Polartec Power Shield-Materials verfügt es über eine neue wasserabweisende, mikroporöse, hydrophobierte PU-Membran, die auf ein leicht elastisches polyester- oder nylonkaschiertes Aussenmaterial laminiert wurde. Auf der Innenseite ist eine dünne isolierende Schicht aufgebracht, die die Körperfeuchtigkeit aufnimmt und weiterleitet.
Polartec Power Shield Pro ist prinzipiell so aufgebaut wie ein Stoff für ein normales Bekleidungsstück der Kategorie Hardshell. Allerdings mit der angenehmeren Haptik von Softshell und einer eingebauten Isolierung. Das Stoffgewicht wird mit 224 gr/m² angegeben, zumindest bei einer Jacke die in diesem Material verarbeitet wurde, der The North Face Kishtwar Jacke.
Zum Vergleich, Goretex Active Shell, wie es in der Haglöfs Endo Jacke verarbeitet wird, hat ein Stoffgewicht von 105 gr/m², das Goretex Pro Shell der Haglöfs Spitz 115 gr/m². Dagegen klingen 224 g/m² sehr schwer, aber die TNF Kishtwar soll in einer Größe M ca. 600 gr wiegen, die Haglöfs Spitz zum Vergleich in Größe L 520 gr.

Polartec Power Shield Pro: die Materialeigenschaften

Die Membran hat eine Anfangswassersäule von 5000 mm, mit einer garantierten Mindestwassersäule von 3000 mm, damit ist sie technisch gesehen im Grenzgebiet zwischen wasserdicht und wasserabweisend. Polartec selber spricht von wasserabweisend.

Hochwertige wasserdicht/atmungsaktive Materialien haben sehr viel höhere Wassersäulen, aber hier wie dort ist das wirklich wichtige Kriterium erst mal die Lebensdauer der Membran bzw. Beschichtung. Da ist der Laminatverbund der einzelnen Schichten, sowie die Qualität und Belastbarkeit der verwendeten Materialien von ausschlaggebender Bedeutung. Wie Polartec Power Shield Pro sich da schlagen wird bleibt noch abzusehen. Natürlich ist eine höhere Wassersäule theoretisch und praktisch besser und es ist auch sehr wahrscheinlich, das ein vollbeladener Rucksack mit seinen Tragriemen so auf die Schultern drückt, das dieser Wert überschritten wird. Aber je nach Einsatzbereich wäre eine solche, durch äussere, mechanische Einwirkung nicht immer vorhanden. Ausserdem ist völlige Wasserdichtigkeit bei stundenlangem Dauerregen auch nicht immer eine Grundvoraussetzung bei einer Wetterschutzjacke.

Polartec Power Shield Pro; Grafik: Polartec

Polartec Power Shield Pro; Grafik: Polartec

Es ist das Gesamtpaket an technischen Eigenschaften, das den Wert eines Kleidungsstücks ausmacht und hier hat Polartec Power Shield Pro eine Menge mehr zu bieten als andere: Als Weiterentwicklung von Polartec Power Shield, welches mit einer Winddichtigkeit von 95% einen sehr guten Tragekomfort auf Kosten der Wind- und Wetterfestigkeit bietet, ist Polartec Power Shield Pro jetzt sehr viel stärker wasserabweisend bei noch 99% Winddichtigkeit.

Was den relevanten Unterschied zu Softshellgeweben anderer Hersteller ausmacht ist das Maß der eingebauten dosierten Luftdurchlässigkeit. Die Winddichtigkeit beträgt nicht wirklich 100%. Ein wenig Luft zirkuliert immer durch das Gewebe und bei weniger als 11l/m²/sek ist das für den Träger lt. Polartec auch nicht als Luftzug spürbar. Polartec Power Shield Pro bietet 8l/m²/sek.

Ein großer Unterschied zu einer Hardshelljacke, deren Materialien eine Belüftung nur über “große Löcher” wie Unterarmbelüftungsöffnungen, Taschen mit Netzfutter, offenem Hauptreissverschluss erlauben. Und auch im Vergleich mit Gore Windstopper bietet Polartec Power Shield Pro eine höhere Wasserdampfdurchlässigkeit mit besserem Schutz gegen Regen.

Polartec Power Shield Pro: getapte Nähte!

Es geht noch weiter: bei Polartec Power Shield Pro können die Nähte getaped werden. Das bedeutet, dass ein Kleidungsstück, gefertigt aus Polartec Power Shield Pro, auch über diese Nahtverarbeitung in der Praxis wasserdicht sein könnte. Wenn der verarbeitende Konfektionär diesen Aufwand betreibt und sein Produkt entsprechend positioniert, könnte ein Kleidungsstück aus diesem Material eine Hardshell in bestimmten Anwendungsbereichen vielleicht ersetzen, zumindest aber eine neue Kategorie zwischen Hard- und Softshell etablieren. Zur Zeit scheint das aber eher die Ausnahme zu sein.

Polartec Power Shield Pro: die eierlegende Wollmilchsau?

Ganz bestimmt nicht, denn Perfektion gibt es nicht und jeder Vorteil bedingt auch immer einen Nachteil. Nur welches Atribut jetzt positiv oder negativ gesehen wird, hängt ganz allein vom Betrachter ab.
Eine Jacke aus Polartec Power Shield Pro könnte also sein:

  • ausreichend wasserdicht im Gebrauch,
  • stärker wasserdampfdurchlässig als eine normale, nicht wasserdichte Softshell,
  • wärmer als eine normale ungefütterte Hardshelljacke

Aber 100% Wasserdichtigkeit unter starker Belastung bleiben die Stärke der klassischen 3-Lagen-Hardshelljacke, z.B. aus Goretex Pro Shell. Wegen der im Vergleich eher niedrigen Wassersäule wäre die Jacke aus Polartec Power Shield Pro eher für Aktivitäten in feuchter, nasser Umgebung prädestiniert. Dort, wo eine normale Softshell an ihre Grenzen käme bezüglich der wasserabweisenden Fähigkeiten: Kombinierte Touren in Fels und Eis beispilesweise, Eisklettern, Skitouren, MTB im Winter. Überall, wo es eher kalt und Wasser in Mengen vorhanden ist, aber eben nicht in Form von ständigem Regen. Dann intensive Ausdauersportarten, bei denen wirklich nichts extra mitgenommen wird und der Kompromiss aus Wetterschutz und Tragekomfort ein wenig mehr zugunsten des Wetterschutzes eingegangen wird.

Polartec Power Shield Pro: die Konfektionäre

Zu diesem Zeitpunkt sind acht Hersteller bekannt, die lizensiert wurden, um Polartec Power Shield Pro in Jacken zu verarbeiten.

  • Eider – Power Pro Jacke
  • Lowe Alpine, Power Shield Pro Jacke
  • Millet – Summit Pro PWS Jacke
  • Montura – Power Shield Pro Jacke
  • Norrona, Narvik Power Shield Pro Jacke
  • 66°North – Vatnajökull High Loft Softshell Jacke
  • The North Face – Kishtwar Power Shield Pro Jacke
  • Trangoworld – Zifu Jacke

Die Unterschiede liegen dabei in

  • Schnitt
  • Ausstattung
  • Dicke des verwendeten Materials
  • Nahtversiegelung oder nicht
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The North Face Kishtwar Jacke, Photo: TNF

Polartec Power Shield Pro: die Jacken

Zwei nachfolgend kurz vorgestellte Jacken stehen für ganz unterschiedliche Konzepte bei der Verwendung von Polartec Power Shield Pro.

The North Face Kishtwar

Die Kishtwar ist vollständig aus Polartec Power Shield Pro gefertigt, in einer Variante mittlerer Stärke mit einem Gewicht von 224 gr/m². In Größe M wiegt die Kishtwar ca 600 gr. Die Nähte sind nicht versiegelt (“getaped”). Das Gewebe ist DWR-imprägniert. UVP € 279,-.

The North Face hat diese Jacke also primär als universelle Softshell für den ganzjährigen Einsatz entwickelt. Nicht zu dick, um auch in wärmerer Jahreszeit noch getragen werden zu können und leicht genug, um als Immer-dabei-Jacke ncht übermäßig zu belasten. Das Fehlen einer Nahtversiegelung ist hier Teil des Konzeptes, schließlich würde sie die Jacke verteuern und einen auf möglichst wenig Nähte ausgelegten Schnitt verlangen. Wie bei einer Softshelljacke gewohnt, wird sie sinnvollerweise mit einer leichten und klein verpackbaren Hardshelljacke kombiniert. Eine “klassische” Softshelljacke also mit dem zusätzlichen, nicht zu unterschätzenden Vorteil dass die viel schweisstreibendere Hardshell erst viel später angezogen werden muss als sonst üblich. Wenn denn überhaupt, denn erst bei länger anhaltendem oder starkem Regen werden die unversiegelten Nähte signifikant lecken. Outdoorsmagic.com formuliert das in ihrem “First Look” so: “…the one time we got caught out in really heavy, deluge-like conditions, the jacket leaked in a localised way from a main side seam on one side and a sleeve seam on the other, so as you’d expect, it’s more water resistant than water proof…..It’s still very good in light rain or sporadic showers…” (Zitate: outdoorsmagic.com)

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Eider Power Pro Jacke, Photo: Eider

Eider Power Pro Jacke

Die Power Pro besteht aus einem Materialmix. Fast vollständig aus Polartec Power Shield Pro Highloft mit einem Gewicht von ~310 gr/m² gefertigt, wird unter den Armen Polartec Power Shield Pro Light verwendet, das bei einem Gewicht von ~160gr/m² erheblich dünner ist und nicht so stark aufträgt. Die Jacke wiegt in Größe M ca. 935 gr. Alle Nähte sind versiegelt und die Reissverschlüsse sind ebenfalls waserdicht ausgeführt. Das Material ist DWR-imprägniert. UVP € 299,-.

Eider hat diese Jacke also primär als winterwarmen Allwetterschutz konzipiert. Bei den Temperaturen, in denen sie aufgrund des dickeren Polartec Power Shield Pro Highloft eher eingesetzt wird, regnet es nun mal seltener. Nassschnee, Nieselregen, etc wird sie aufgrund der getapten Nähte und der Membran mit 3000 mm Wassersäule so gut widerstehen, das eine zusätzliche Hardshelljacke kaum mitgenommen werden muss.

Polartec Power Shield Pro: Fazit

Diese beiden so unterschiedlichen Jacken zeigen, wofür Polartec Power Shield Pro alles verwendet werden kann. Vom universellen Ganzjahreseinsatz bis hin zur “Eine-für-Alles” im Winter reicht das Spektrum der Möglichkeiten.

Während man wahrlich nicht sagen kann, dass hier die die traditionelle Hardshelljacke neu erfunden wurde, können sich durch die Verwendung von Polartec Power Shield Pro doch ganz neue Einsatzmöglichkeiten und Perspektiven eröffnen. Wenn das Material im längfristigen Gebrauch wirklich hält, was Polartec verspricht, dann hat Gore Windstopper in all seinen Varianten einen sehr ernstzunehmenden Konkurrenten bekommen.

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Polartec Power Shield Pro: zwischen Softshell und Hardshell was last modified: Dezember 23rd, 2017 by Alexander Bardua