Bei Outdoorbekleidung spricht man gerne vom Zwiebelprinzip und meint damit einen mehrlagigen Aufbau der Bekleidung. Unterteilt wird in Basischicht, Isolationsschicht und Aussenschicht. Kleidungsstücke aus den jeweiligen Schichten werden individuell miteinander kombiniert, so kann man flexibel auf sich ändernde Wetterverhältnisse reagieren und ist mit einem Minimum an Gepäck allen erdenklichen Situationen gewachsen

Das Zwiebelprinzip: die Basisschicht

Auf der Haut liegt die Funktionsunterwäsche. Sie hat mehrere, im Prinzip schwer miteinander vereinbare Funktionen zu erfüllen: Sie soll einerseits dafür sorgen, das produzierter Schweiß von der Haut wegtransportiert und diese bei Kälte warm und trocken ist. Andererseits soll sie auch den Schweiß lange genug auf der Haut halten, damit dieser seine kühlende Funktion erfüllen kann. Was dann im Winter zu schnell frieren läßt, sorgt im wiederum Sommer dafür, das der Körper nicht überhitzt.
Gab es früher mal nur die Wahl zwischen kratziger Wolle und Baumwolle, die binnen kurzem als nasser Lappen am Körper hing, so begannen in den 1970er Jahren die synthetischen Materialien in Erscheinung zu treten. Helly Hansens Lifa-Material – auf der Basis von Polypropylen – war einer der Wegbereiter dieser neuen Gattung Unterwäsche. Im Nachhinein gesehen waren diese ersten synthetischen Gewebe vom Tragekomfort her eine Katastrophe. Widerlich im Griff und nach spätestens einer Stunde des Tragens stank das Kleidungsstück zum Himmel. Das hat sich alles im Laufe der Zeit geändert, die heute erhältlichen Gewebe bieten einen nahezu perfekten Tragekomfort.

Als Materalien kommen folgende Fasern sortenrein oder in Kombination zur Anwendung:

  • Kunstfasern (z.B. Polyester, Polypropylen)
  • Viskosefasern (z.B. Lenzing, Lyocell)
  • Merinowolle

Weiterhin können diese Fasern auch auf unterschiedlichste Art und Weise verarbeitet werden, z.B.:

  • glatt gewebt
  • hautseitig aufgebürstet
  • als Schlingenware (“Frottee”)

Das ergibt dann eine schier unendliche Anzahl an Materialvariationen und jedes fertige Gewebe hat höchst unterschiedliche Material- und Trageeigenschaften. Ganz grob sortiert könnte man sagen:

  • Kunstfasern transportieren den Schweiß besser von der Haut weg
  • Merinowolle fühlt sich angenehmer an
  • Frottee und Schlingenware sind bei gegebenem Stoffgewicht wärmer als glatt gewebte Stoffe
  • dünn und glatt gewebt, ob Wolle oder Kunstfaser, fühlt sich auf der Haut kühler an

Da jeder Mensch eine andere Physiologie hat, anders friert oder schwitzt, gibt es hier keine universelle Wahrheit. Man muß einfach ausprobieren und selber herausfinden, was man braucht.

Beispielhaft für das Angebot auf dem Markt seien hier nur mal einige unterschiedliche Produkte von Haglöfs genannt. Deren Active-Serie unterteilt die Basisschicht des Zwiebelsystems in vier verschiedene Untergruppen:

  • ACTIVE COOL: z.B. Haglöfs Leaf Q Tee, aus recyceltem Polyester für sommerliche Aktivitäten, mit geruchsmindernder Polygiene-Ausstattung und gefertigt in Europa! nach den bluesign-Standards.
  • ACTIVE MERINO: z.B. Haglöfs Active Merino Q Roundneck aus reiner
    Merinowolle für “…Sportler…, die leicht frieren…” (Text: Haglöfs)
  • ACTIVE REGULAR: der Einsatzbereich der Active Merino Serie, aber aus Polyester mit einem Anteil an recycelten Fasern von mindestens 50%
  • ACTIVE WARM: z.B. Haglöfs Active Warm Zip Top, gefertigt aus einer Kombination von Merinowolle und Polyester. ist sie die wärmste Unterwäsche im Sortiment von Haglöfs.

Funktionale Unterwäsche wird in Europa von sehr vielen Firmen angeboten, z.B. Arteryx, Bergans, Craft of Sweden, Haglöfs, Helly Hansen, Icebreaker, Jack Wolfskin, Löffler, Odlo, Ortovox, Patagonia, The North Face. Eine Unzahl von Produkten ist erhältlich, da ist für jeden etwas dabei.

Das Zwiebelprinzip: die Isolationsschicht

Wolle und Fleece speichern die vom Körper produzierte Wärme. Dick oder dünn, eine oder mehrere Lagen, sie sorgen für die notwendige Isolation. Wolle als Material für die Isolationsschicht hat sehr an Bedeutung verloren, seit synthetische Materialien auf dem Markt sind. 1961 brachte Helly Hansen den Faserpelz auf den Markt, der heute ProPile genannt wird. Leider sind Kleidungsstücke aus diesem Original Faserpelz fast nur noch in Geschäften für Berufsbekleidung (z.B. Forstarbeiter) und Seglerzubehör erhältlich, da die Optik bei diesen Produkten der Funktion völlig untergeordnet ist. In der heutigen Outdoorszene ist das nun mal leider nicht genug.

An seine Stelle trat “Fleece”, ein genauso funktionales Gewebe, das aber optisch sehr viel ansprechender ist. Der Marktführer Polartec brachte dieses als Polarfleece auf den Markt und unterteilte später die von ihm produzierten Fleecestoffe grob in drei Kategorien. Diese Einteilung nach Stoffgewicht wurde auch beibehalten und im Outdoorbereich in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen:

  • Polartec Classic 100, 100 bis 199 gr/m²
  • Polartec Classic 200, 200 bis 299 gr/m²
  • Polartec Classic 300, 300 bis 399 gr/m²

Unabhängig von dieser Klassifizierung nach Gewicht gibt es allein bei Malden Mills noch Fleece in vielen Variationen, z.B.:

  • Polartec Power Stretch, ein hochelastisches Gewebe mit leicht wind- und wasserabweisend kaschierter Oberfläche
  • Polartec Thermal Pro, ein High-Loft-Fleece, gewebt in lockerer Struktur mit einem sehr guten Verhältnis von Gewicht zu Wärme
  • Polartec Wind Pro, ein Flecce mit einer dichter gewebten Aussenseite, die erheblich windabweisender ist als normaler Fleece

Dazu noch unzählige Variationen in Form von Sonderentwicklungen für einzelne Marken, z.B. das Regulator Fleece, ein High-Loft-Fleece, das Patagonia exklusiv verarbeitet. Das Ganze dann auch noch einmal von vielen anderen Firmen, in sehr guter oder eher minderwertiger Qualität, billig oder teuer.
“Fleece” ist ein Gattungsbegriff, unter dem sich fast alles sammelt, was nicht explizit als Unterwäsche oder wasserdichtes Aussenmaterial verstanden wird.

Das Zwiebelprinzip: die Aussenschicht

Die Aussenschicht hat vorrangig eine Funktion: Wetterschutz. Wetterschutz ist nicht gleich Regenschutz! Sondern ganz allgemein der Schutz des Körper vor Nässe, Wind und damit Auskühlung.
Ob das jetzt durch eine klassische Goretexjacke oder artverwandte Hardshell –jacken geschieht, oder durch eine Softshell-Jacke in Form einer ultraleichten Mikrofleecejacke wie der Haglöfs Shield Jacke hängt vom jeweiligen Wetter ab und kommt auf das Gleiche hinaus.
Da Wasser über eine höhere Wärmeleitfähigkeit verfügt als Luft, kühlt ein durchnässter Mensch wesentlich schneller aus als ein trockener.

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Sea To Summit Tarp Poncho, Photo: STS

Wetterschutzkleidung gleich welcher Art sorgt dafür, das der Körper in einen Kokon aus warmer Luft gehüllt ist und diese warme Luftschicht auch nicht vom Wind weggeblasen wird. Das kann überlebenswichtig sein! Die dafür geeigneten Materialien lassen sich ganz grob wie folgt unterteilen:

  • Wasserdicht und damit auch Winddicht
  • Winddicht und nur Wasserabweisend

Wasserdicht ist jeder Stoff, der über eine geeignete Art von Beschichtung oder integrierte Membran verfügt. Ein simpler Poncho erfüllt diesen Zweck genauso wie eine High-Tech Goretexjacke. Es kommt immer auf den Verwendungszweck an, sowie das verfügbare Budget oder Eigenschaften wie Packmaß und Gewicht, wenn man entscheidet, was man sich kauft.Die “nur” strong>wasserabweisenden aber winddichten Materialien bilden eine eigene Gattung, Softshell genannt. Hier liegt der Fokus auf einem maximalen Feuchtigkeitstransport von innen nach aussen. Auf Wasserdichtigkeit wird verzichtet, diese Gewebe sind deshalb nur Wasserabweisend. Das reicht meistens aus, um nicht von aussen durchnässt zu werden und damit dann auch unterkühlt zu sein. Bei entsprechenden Witterungsverhältnissen und Aktivitäten werden diese Softshelljacken sinnvollerweise mit leichten wasserdichten Bekleidungsstücken ergänzt, um zu gewährleisten, das der Träger auch bei starkem Regen von aussen trocken und damit warm bleibt.

Das Zwiebelprinzip, Sonderfall: Softshell als Isolationsschicht

Es ist auch möglich, eine leichte Softshelljacke als isolierende Schicht mitzunehmen und unter der Hardshelljacke zu tragen, falls nötig. Die Softshell ist dann die meistgetragene Jacke, die erst mit Überstreifen der Hardshell zur Isolationsschicht degradiert wird.
Gewicht und Preis bleiben bei intelligenter Auswahl auf gleichem Niveau.
Die Softshell als Isolationsschicht erspart die schwere und teure Hardshelljacke, eine leichtere bzw. billigere tut es auch, weil seltener getragen.
Wenn die Hardshell dagegen die primäre Wetterschutzschicht ist, kann ein billigerer und leichterer Fleece Preis und Gewicht wieder ausgleichen.

Das Zwiebelprinzip, Fazit:Schichten kombinieren

Diese Schichten lassen sich beinahe beliebig kombinieren, aber in der Praxis wird man kaum ein ständiges Rucksack ab/Schicht wechseln/Rucksack wieder auf-Spiel betreiben, sondern manchmal eben etwas schwitzen oder frieren. Wichtig ist, nicht zuviele Teilen mitzunehmen und diese so sinnvoll zu kombinieren, das man dem jeweiligen Wetter gerecht wird. Da muß jeder selber herausfinden, was für ihn funktioniert und welche Teile unbedigt notwendig sind. Die grundlegenden Informationen kann man sich erlesen, aber dann heißt es ausprobieren und lernen.

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