Früher nannte man sie schlicht Holzbock und sie war nur lästig. Mittlerweile ist die Zecke als Überträger gefährlicher Krankheiten wie FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Lyme-Borreliose bekannt. Was ist es, dass Zecken so gefährlich werden lässt und wie Ernst sollte man diese potentiellen Gefahren nehmen? Gibt es eine Zeckengefahr? Wie kann man sich schützen und wieviel Vor- und Nachsorge ist überhaupt notwendig?

Es geht nicht darum, auf den Genuss zu verzichten, den ein Aufenthalt in der Natur dem Menschen bieten kann. Sondern darum, zu wissen was passieren könnte, sich zu schützen und vor allem nicht verrückt zu machen.

Zeckenlarve auf Finger

Zeckenlarve auf Finger; Photo: www.zecken.de

Zeckengefahr: Das Tier

Da dies kein Biologievortrag wird und es viele Hundert Zeckenarten gibt, hier nur einige eher oberflächliche Anmerkungen.
Zecken sind keine Insekten, sondern Spinnentiere. Ihr normalerweise zwei bis fünf Jahre währendes Leben, das mit Paarung beziehungsweise Eiablage endet, durchlaufen sie in drei Entwicklungsstadien: Larve, Nymphe, erwachsene Zecke. Jeder dieser Entwicklungsschritte erfordert eine Blutmahlzeit. Im ausgewaschenen Zustand sind Zecken 2,5-4,5mm groß. In der Praxis bedeutet dies, dass eine blutsaugende Zecke so klein sein kann, dass man sie mit bloßem Auge kaum erkennt.

Zeckengefahr: Ihr Verhalten bei der Nahrungssuche

Schon bei Aussentemperaturen von ca. 8° C werden Zecken aktiv, d.h. dass bei den bei uns so häufigen milden Wintern Zecken ganzjährig aktiv sind.

Zecke auf Grashalm

Zecke auf Grashalm: Photo: www.zecken.de

Zecken sind keine aktiven Jäger, sie warten passiv auf Beute und folgen dabei einem genau definierten Instinktmuster. Sie klettern auf Zweige und Blätter, meist in Knie- bis Hüfthöhe, maximal 1,5m hoch und warten auf Beute. Man kann am Wegesrand, wenn man genau hinsieht, oftmals kleine schwarze Punkte an den Grashalmenden erkennen, das sind Zecken in Wartestellung. Zecken können monatelang ohne Nahrung auskommen, sie sitzen einfach da und warten, bis ein Wirt daherkommt.

Zecken orientieren sich mit einem Sinnesorgan im vordersten Beinpaar, dem Haller-Organ. Sie reagieren auf Körperwärme, Vibrationen, Geruch, Stoffe wie Ammoniak, Buttersäure und was ein potentieller Wirt sonst so ausdünstet.
Die Zecke läßt sich von ihrem Aufenthaltsort “abstreifen”, sie krallt sich in Sekundenbruchteilen an ihrem Wirt fest und fängt dann erst an, nach einer zum Saugen geeigneten Stelle zu suchen.

Zeckengefahr: Ihr Verhalten auf dem Wirt

Ideal zum Blutsaugen sind Stellen, an denen die Haut dünn ist, gut durchblutet und zudem möglichst feucht. Die Suche nach solch einer geeigneten Stelle kann lange dauern, weshalb immer die Chance besteht, die Zecke schon vorher zu entdecken und abzulesen.

Saugende Zecke auf der Haut

Saugende Zecke auf der Haut; Photo: www.zecken.de

Zecken beißen nicht, sie stechen. Erst verankern sie sich an der Haut, dann wird diese etwas aufgerissen und die aus dieser Wunde austretende Lymphflüssigkeit mit einem Saugrüssel aufgenommen. Dabei wird ein Sekret abgesondert, das Gerinnungs- und Entzündungshemmer sowie ein Betäubungsmittel enthält, damit der manchmal tagelang andauernde Vorgang des Blutsaugens nicht beeinträchtigt wird. Zusätzlich enthält dieses Sekret auch noch eine Art Klebstoff, der so stark ist, dass beim Entfernen der Zecke leicht Teile abreissen und in der Wunde verbleiben können.

Nach dem Blutsaugen läßt sich die Zecke abfallen und sucht sich ein feuchtes, dunkles Versteck um ihren nächsten Entwicklungsschritt zu durchlaufen.

Zeckengefahr: Gesundheitliche Risiken durch den Stich

Anmerkung: Dies ist keine medizinisch relevante Beratung. Wer diesbezüglich Fragen hat, sollte sich grundsätzlich an Hausarzt und Apotheker wenden!

Zecken können Erreger verschiedener Krankheiten auf ihren Wirt übertragen. Die beiden in Mitteleuropa am häufigsten vorkommenden sind:

  • Lyme-Borreliose
  • FSME, Die Frühsommer-Meningoenzephalitis

Zeckengefahr: Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung und die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit. Sie tritt überall dort auf, wo Zecken zu finden sind, deshalb gibt es auch keine Karten von Verbreitungsgebieten. Allerdings ist das Infektionsrisiko, gemessen an der Gesamtzahl der Zecken und von ihnen Gestochener relativ gering, nur 1,5 bis 6% der von einem Zeckenstich Betroffenen infizieren sich. Absolut gesehen sind es aber erschreckend hohe Infektionszahlen.

Man kann sich gegen Borreliose nicht impfen lassen und man erwirbt keine Immunität. Da die Erreger der Borreliose wahrscheinlich erst nach längerer Zeit des Saugens von der Zecke auf den Wirt übertragen werden, ist eine möglichst frühzeitige Entfernung der Zecke sinnvoll.

Wanderröte

Wanderröte; Photo: www.autan.de

Es gibt keine genau definierten Symptome für eine Borrelioseerkrankung, was ihre Erkennung und Behandlung schwierig macht. Ein mögliches Indiz ist eine sich um die Stichstelle im Laufe von Wochen eventuell entwickelnde ringförmige Hautrötung. In ca. 50% der Fälle tritt diese auf. Eine der wenigen Möglichkeiten zur Erkennung einer evtl. Krankheit wäre daher, die Bissstelle und ihre genaue Platzierung am Körper zu fotografieren und dann im Laufe der Zeit immer wieder mit dem Foto zu vergleichen. In unseren digitalen Zeiten ist das ja kein Problem und nur so lässt sich eine langsame Veränderung der Haut auch exakt feststellen.

Care Plus Tick Test

Care Plus Tick Test; Photo: Tropicare

Einen Schnelltest bietet die Firma Tropicare mit ihrem Care Plus Tick Test. Mit diesem Test kann man herausfinden, ob eine entfernte Zecke mit Borreliosebakterien infiziert ist. Die Zecke wird in einer Testflüssigkeit zermahlen, dann einige Tropfen entnommen und auf einen Teststreifen geben. Falls der Test positiv ausfällt, weiss man zumindest, dass die Zecke infiziert war.

Eine frühzeitige Diagnose ist sehr wichtig, denn eine entsprechende Behandlung mit Antibiotika ist gut geeignet, die Erkrankung zu heilen. Je später diese Erkrankung aber diagnostiziert wird, desto länger dauert der Heilungsprozess, desto höhere Dosen Antibiotika müssen umso länger verabreicht werden und desto größer ist die Chance einer Chronifizierung der Erkrankung.

Da für Borreliose (noch) keine Meldepflicht besteht, kann die wirkliche Zahl der Erkrankungen nur geschätzt werden und diese Schätzungen variieren gewaltig.

  • “Im Jahr 2009 wurden in den östlichen Bundesländern Deutschlands etwa 5.200 Fälle von Borreliose gemeldet….Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jedes Jahr insgesamt bis zu 60.000 Menschen neu an Borreliose.” (Quelle: www.onmeda.de, Mitteilung vom 29.03.2010)
  • “Mehr als 9.200 Versicherte der Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg wurden 2008 wegen dieser Diagnose behandelt. In den ersten drei Quartalen 2009 wurde die Vorjahreszahl mit rund 11.700 Fällen bereits überschritten. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg, muss man 2009 von rund 170.000 Betroffenen ausgehen. Nur in Bayern traten noch mehr Erkrankungen auf.” (Quelle: Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Baden-Württemberg, Pressemitteilung vom 1.04.2010)

Dabei darf man natürlich auch nicht außer Acht lassen, dass ein verändertes Freizeitverhalten, ein gestiegenes Problembewusstsein, verbesserte Diagnosemethoden und natürlich auch die reißerische, quotenheischende Berichterstattung in den Massenmedien ebenfalls dazu führen, dass den durch Zecken übertragenden Krankheiten mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und dadurch die Fallzahlen steigen. Gemesse an der Häufgkeit von Borrelioseerkrankungen kann diesem Thema aber nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Zeckengefahr: FSME

FSME Risikogebiete nach Robert-Koch-Institut; Grafik: www.zecken.de

FSME Risikogebiete nach Robert-Koch-Institut; Grafik: www.zecken.de

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Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, ist eine Viruserkrankung. Die Ansteckung erfolgt über den Speichel der Zecke und erfolgt sofort nach dem Stich. Frühzeitige Entfernung der Zecke kann dennoch helfen, dass Infektionsrisiko zu mindern. Den “Frühsommer” darf man übrigens getrost ignorieren, da, wie schon erwähnt, Zecken oft ganzjährig aktiv sind. FSME-Erkrankungen werden immer häufiger, die Infektionsrate in den zehn am stärksten betroffenen europäischen Statten hat in den letzten Jahrzehnten um mehrere Hundert Prozent zugenommen.

FSME ist eine meldepflichtige Krankheit. Das Robert-Koch-Institut erstellt für Deutschland daraus eine Karte der Risikogebiete. Ein Landkreis “…wird als Risikogebiet definiert, wenn die ….(Zahl der Erkrankungen)…. im Kreis selbst oder in der Kreisregion signifikant den festgelegten Grenzwert von 1 FSME Erkrankung/100.000 Einwohner/5 Jahre übersteigt.”(Quelle: Robert-Koch-Institut, Epidemiologische Bulletin 18, 2009)

FSME ist nicht behandelbar. Wo bei der bakteriellen Erkrankung Borreliose Antibiotika helfen können, versagt bei der Viruserkrankung FSME dieses Instrument. Nicht jede FSME-Erkrankung nimmt einen schweren Verlauf, dass ist individuell verschieden und die Mechanismen dahinter sind noch nicht geklärt. Grundsätzlich steigt mit dem Lebensalter und individuellen gesundheitlichen Schwächen das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs. “Zwei Drittel der betroffenen Erwachsenen und die Hälfte der betroffenen Kinder erkranken so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen”….Die Hälfte der Patienten ..(erlebt)… einen schweren Krankheitsverlauf. Rund 70% von ihnen…(erleiden),,, langwierige Folgeschäden,…”(Quelle: Universität Hohenheim, Pressemitteilung vom 17.03.2011)

Einziger wirkamer medizinischer Schutz ist eine vollständige Impfung! Drei Impfungen und eine Auffrischung alle drei bis fünf Jahre sollen notwendig sein. Laut Universität Hohenheim, ebenda, gibt es 1,5 Fälle von Impfkomplikationen pro 1 Million Impfungen.

FSME Immunisierungsschema

FSME Immunisierungsschema; Grafik: www.zecken.de

Zeckengefahr: Fazit

All das kann schon sehr erschreckend klingen, aber ganz so schlimm ist es nun wirklich nicht. Relativ zu den vielen Menschen, die tagtäglich draussen unterwegs sind, ist die Anzahl der Erkrankungen lächerlich gering.

Verglichen mit der Lebenswelt des größten Teils der Weltbevölkerung, der ohne ausreichende medizinische Versorgung in Regionen lebt, in denen lebensbedrohliche Erkrankungen eher die Norm denn die Ausnahme sind, leben wir nun mal auf einer Insel der Seligen.

Man sollte nicht alles ignorieren, was man über zeckenbezogene Erkrankungen so hört, aber zwischen “30 Jahre täglich draussen und nie eine Zecke eingefangen” bis hin zu “einmal gestochen und gleich FSME” ist nun mal alles möglich.

Weiterlesen: Zeckenschutz Teil 2

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Zecken und wie man sich vor ihnen schützen kann, Teil 1 was last modified: Dezember 23rd, 2017 by Alexander Bardua