Lowa ist eine der drei großen deutschen Firmen, wenn es um Wanderschuhe geht. Im Sortiment von Lowa findet sich ein geeigneter Schuh für jede Tour und fast jeden Fuß. Das Modell Trekker wird seit 1984 ununterbrochen gefertigt und ist auch heute, immer weiterentwickelt und aktualisiert, ein rundum gelungenes Produkt..

Lowa Trekker Test: Ganz aus Leder

Ganz im Gegensatz zu den Schuhtrends der letzten zehn Jahre ist der Lowa Trekker ein Volllederschuh. Kein Goretexfutter bei diesem Modell und das macht auch seine Qualität aus, denn nichts passt sich dem Fuß besser an als Leder.

Ein Wanderstiefel, Obermaterial Leder und mit einem Lederfutter versehen könnte durchaus als Anachronismus verstanden werden in Zeiten, in denen synthetische Materialien überall auf dem Vormarsch zu sein scheinen. Aber genau dieses Material und noch dazu seine besondere Konstruktion machen den Lowa Trekker und sein weibliches Pendant, den Lowa Lady Sport so unverwechselbar.

Test Lowa Trekker: die Konstruktion

Der Lowa Trekker ist ein typischer Vertreter der Kategorie B. Schuhe in dieser Kategorie sind Allrounder, geeignet für anspruchsvolle Touren in Mittelgebirgen unter schlechten Bedingungen, leichte Touren im Hochgebirge, auch mit Gepäck, als äußerstes Firnfelder mit Grödeleinsatz.

Lowa Trekker Test: Die Brandsohle ist das Fundament

Ganz wesentlich für die Stabilität und den Einsatzbereich ist seine Machart, er ist ein gezwickter Schuh. Das bedeutet, das seine Sohle in mehreren Schichten aufgebaut ist, deren wichtigste die Brandsohle ist, um die Ober- und Futterleder herumgelegt werden. Diese werden dann mit der Brandsohle verklebt und zusätzlich noch mit kleinen Metallstiften fixiert. Auf diese Art und Weise wird eine feste Verbindung gewährleistet.

Brandsohle, klebegezwickt

Brandsohle, klebegezwickt

Die Brandsohle ist das Fundament eines jeden gezwickten Schuhs. Früher immer aus Leder gefertigt, besteht sie jetzt zumeist aus Nylon, das in seiner Dicke über die gesamte Schuhlänge variiert.

Bei einem Modell der Kategorie B, wie der Trekker einer ist, variiert sie zwischen 3 und 6 mm. Je nach Einsatzbereich (z.B Wandern oder Hochtouren) und Kundenkreis

(z.B. Männer oder Frauen), wird die Brandsohle unterschiedlich ausgeführt, um den spezifischen Anforderungen gerecht zu werden.
Mit dieser gezwickten Konstruktion ist der Lowa Trekker soweit nichts besonderes. Was ihn von der großen Masse abhebt, ist seine Schaft- und Vorfußkonstruktion.

Lowa Trekker Test: Der Schnitt macht ihn so besonders

Normalerweise werden Wanderstiefel im Oberteil aus einem möglichst großen, zusammenhängenden Stück gefertigt, das sich von der Zehenkappe bis zur Ferse erstreckt. Die Zunge wird in dieses Stück eingesetzt, die Konstruktion ist im Vorfuß weitestgehend nahtfrei. Diese Bauart nennt man Blattschnitt.
Lowa Trekker wie auch Lowa Lady Sport sind ganz anders konstruiert. Deren Vorfuß besteht aus drei Teilen:

  • der Zehenbox mit daran angesetzter Zunge,
  • zwei flügelähnlichen Seitenteilen links und rechts.

Diese Art der Konstruktion wird Derbyschnitt genannt und verglichen mit dem stärker verbreiteteten Blattschnitt hat sie Vor- und Nachteile aufzuweisen.

Blattschnitt und Derbyschnitt

Blattschnitt und Derbyschnitt

Lowa Trekker Test: Nachteile und Vorteile

Die Nachteile bestehen in der nicht so aufgeräumten Optik, der Schuh wirkt nicht wie aus einem Guss. Dazu kommt die Tatsache, dass ein Schuh im Derbyschnitt im Vorfuß mehr Nähte aufweist als ein im Blattschnitt gefertigter. Nähte sind nun mal Schwachstellen. Zudem hat der Trekker auf den Seitenteilen auch noch jede Menge überrflüssiger Ziernähte.

Das wird aber mehr als kompensiert durch die Vorteile, die der Derbyschnitt bezüglich Passform zu bieten hat. Die Konstruktion mit flexiblen Seitenteilen erlaubt es dem Schuh, sich dem Fuß und seiner individuellen Form perfekt anzupassen. Während ein Schuh im einteiligen Blattschnitt vergleichsweise geringe Anpassungsmöglichkeiten an den individuellen Fuß hat, ist der Derbyschnitt viel flexibler. Ob flacher oder hoher Spann, voluminöser oder zierlicher Fuß, der Schuh im Derbyschnitt hat viel mehr Möglichkeiten, sich anzupassen.

Der Lowa Trekker ist in den Standardgrößen 6-13 in drei verschiedenen Passformen erhältlich:

  • normaler Leisten,
  • S-Leisten,
  • WXL-Leisten.

Ausgehend vom normalen Leisten ist der S-Leisten für zierlichere Füße gedacht, die in Schuhen mit normaler Passform einfach nur „schwimmen“.

Der WXL-Leisten bietet eine breitere und höhere Zehenbox. Wer also breite Füße hat, oder dicke orthopädische Einlagen tragen muss, kann hier einen Schuh finden, der ihn nicht mehr einengt.

Dazu dann noch der Extra-Leisten, der die Übergrößen von 13,5-15 abdeckt. Er ist mit einer verstärkten Sohle ausgestattet, die den grösseren Belastungen dieser Übergrößen gewachsen ist.

All dies mit Ausnahme des Extra-Leistens, gilt natürlich auch für den Lowa Lady Sport, denn auch Frauen haben keine genormten Füße und brauchen Auswahl bei der Passform.

Test Lowa Trekker: in der Praxis

Wenn er denn passt, bietet der Lowa Trekker eine ganz besondere Mischung aus Halt und Beweglichkeit. Der flexible Derbyschnitt gestattet es, das Sprunggelenk an den Seiten zu stützen und dennoch das Beugen und Strecken des Fußes zu gewährleisten. Es gibt nun mal keine harten, unbeweglichen Seitenteile, die mit Kraft und dann in dicken Falten in die Beugung gezwungen werden. Der Schaft ist nach vorne beweglicher.

Lowa Trekker Test: Es braucht etwas Zeit

Bis es soweit ist, dauert es allerdings. Wie jeder gute Volllederschuh muss der Lowa Trekker eingelaufen werden. Während ein Schuh aus synthetischen Materialien einfach passt (oder auch nicht), muss sich ein Lederschuh erst einmal der Form des Fußes anpassen. Die erste Gewöhnung geht zwar relativ schnell, nach wenigen Stunden des Tragens sorgt die Wärme der Füße und die Walkbewegung beim Laufen für ein erstes Aneinandergewöhnen. Aber je länger ein Lederschuh dann getragen wird, desto besser wird er passen, da kommt kein synthetisches Material mit. Das ist das Besondere an Leder, es passt sich an den Fuß an.

Ein Lederfutter, wie hier verarbeitet, 1-1,5mm dick und ungefärbt, sorgt für einen besonderen Fußkomfort. Durch die fehlende Färbung bleiben die Poren des Leders offen und es kann es bis 200% des Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen. Diese Pufferung und die Anpassungsfähigkeit des Leders an den Fuß sorgen für den Komfort. Mit einem Lederfutter gibt es kaum „heisse Füße“.

Von Nachteil ist diese Feuchtigkeitsaufnahme nur bei mehrtägigen Touren und hoher Luftfeuchtigkeit bzw Dauerregen. Da braucht es trockene, geheizte Räume und jede Menge Zeitungspapier im Stiefel, um ihn wieder zu trocknen. Eine mehrwöchige Zelttour im Dauerregen übersteht so ein Schuh natürlich, aber da hätte ein schneller trocknendes Goretexfutter seine Vorteile.

Der Schaft des Lowa Trekker ist für einen Schuh der Kategorie B sehr hoch, aber auch, wie schon erwähnt, im besonderen Maße flexibel. Auch die Sohle rollt gut ab, es gibt wesentlich steifere in dieser Kategorie. Für Klettersteige gibt es auf Dauer geeigneteres Schuhwerk, auch für häufige Firnfeldquerungen mit Grödeln. Wer dort seinen Schwerpunkt setzt, sollte gleich in der Kategorie B/C suchen oder einen der in der Sohle härteren B-Schuhe, wie z.B. den Meindl Borneo Pro MFS ins Auge fassen.

So wie der Lowa Trekker konzipiert ist, sorgt er einerseits für guten Halt in schlechtem bis weglosen Gelände, ist aber andererseits auch nicht so knüppelhart, das man auf guten Wegen nur „bollert“ und sich was Weicheres, Komfortableres wünscht.

Lowa Trekker Test: Haltbarkeit und Lebensdauer

Lowa Trekker, gekauft 1989

Lowa Trekker, gekauft 1989

Wie schon eingangs erwähnt, fallen am Lowa Trekker erst mal seine vielen Nähte auf. Das wirkt für das unbedarfte Auge natürlich weniger praxisgerecht und stabil als ein nahtarmer Schuh im Blattschnitt. Aber diese Nähte halten. Wer seinen Schuh pflegt, das Leder geschmeidig hält, hat auch keine Nachteile durch diese vielen Nähten.

Lowa Trekker Test: 1989 and still going strong

Im oberen Bild ein Trekker von 1989. In grün und weinrot gehalten, kam er damals mit einer absatzlosen Sohle und in Teilen etwas anderem Leder. Die verschleissmindernden Besätze an Ferse und Zehenbox waren nicht, wie heute, auch aus Nubukleder, sondern aus zäherem Veloursleder, erkenntlich (damals) an seiner groberen Faserstruktur. 20 Jahre mit Wachs haben diesen Unterschied verschwinden lassen. Damals wurde das ebenfalls vollnarbige Nubukleder mit einer glatten Oberfläche versehen, heute wird es samtig angeschliffen. Design eben.

Vor 2000 neu besohlt, wurde er 2004 in den Teilruhestand geschickt, da sich die Füße des Besitzers im Laufe der Zeit denn doch zu sehr verändert hatten. Genutzt wird er seitdem für Garten- und Waldarbeit sowie kleinen Runden mit dem Hund.

Der Verschleiss hält sich auch nach 22 Jahren noch in Grenzen.
In den Gehfalten finden sich mitllerweile kleinere Risse im Leder und die seitlichen Nähte fangen dort auch an, auszufransen.

Das immerhin 2,4mm dicke Leder wurde irgendwann mal auf einer Länge von 2cm bis auf das Futter aufgeschlitzt und kurzerhand mit mehreren Lagen Seam Grip repariert.
In beiden Schuhe ist das Lederfutter, auch das besonders strapazierte Fersenfutter, noch völlig in Ordnung.

Der „neue“ Lowa Trekker, Modell 2008 zeigt bisher nur stark abgelaufene Absätze und den typischen Knick im Schaft, der davon zeugt, dass er bereits eingelaufen wurde.
Ansonsten ist er unauffällig und das ist das Beste, was man von einem Paar Wanderschuhe sagen kann!
In ca. 3 Jahren wird er neu besohlt, denn dann ist der Gummi der Laufsohle altersbedingt so ausgehärtet, dass das Profil nicht mehr gut greift. Und dann wird er weiter getragen.

Lowa Trekker, gekauft 2008

Lowa Trekker, gekauft 2008

Lowa Trekker Test: Fazit

Ein hoher Schaft mit gutem seitlichen Halt, der sich trotzdem nach vorne leicht beugen lässt. Die Sohle rollt geschmeidig ab, ist aber dick genug, um im schlechten Gelände den Fuß gut zu schützen. Die Volllederkonstruktion gewährt ein exzellentes Fußklima um den Preis verlängerter Trockenzeit. Seine besonderer Schnitt erlaubt unvergleichlich bessere Anpassungsmöglichkeiten an den individuellen Fuß als andere Modelle.

Wenn Fuß und Schuh zusammenpassen, ist der Lowa Trekker (und damit auch der Lowa Lady Sport) ein universelles, in Material und Verarbeitung exzellentes Gehwerkzeug, dessen besondere Konstruktion einen Großteil seiner guten Eigenschaften ausmachen.

Weiterlesen: Test Meindl Borneo Pro

Pro

  • Ganz aus Leder
  • Drei verschiedene Leisten erhältlich
  • Universelle Passform

Contra

  • Nicht 100% wasserdicht
  • Relativ schwer

Einsatzbereich

  • Wandern und leichte Bergtouren

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Wichtige Daten

  • Preis: 199,95 EUR (UVP)
  • Material: Leder
  • Gewicht: 1920 gr./Paar/Gr. 10

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