Fleece ist immer aus Plastik, das weiß doch jeder. Falsch, es gibt Firmen, die bieten Alternativen aus Wolle. Das hat dann nichts mehr mit dem Strickpullover von Oma zu tun, sondern feine Merinowolle wird zu funktionalen und sehr komfortablen Kleidungsstücken verarbeitet.

Zuerst wurde die Wolle vom Faserpelz abgelöst, dann kam Fleece und dann sehr lange nichts Neues. Aber im Zuge des Booms von Funktionsunterwäsche aus Merinowolle entdecken immer mehr Outdoorfirmen dieses alte Material neu und verarbeiten es auch zu warmer Überbekleidung. Fleece und Wolle, zwei völlig verschiedene Materialien mit spezifischen Vor- und Nachteilen, es kommt einfach darauf an.

Anmerkung zur Wortwahl: Zur Vereinfachung und weil es sich auch so eingebürgert hat, „Fleece“ steht im weiteren für synthetische Fasern. Ansonsten wird von „Wolle“ die Rede sein.

Merinowolle statt Synthetik: Fleece und seine Eigenschaften

Icebreaker Realfleece 260

Icebreaker Realfleece 260, Photo: Icebreaker

Fleece, zumeist aus Polyester, gibt es in unzähligen Varianten. Man bekommt ihn bei Aldi für € 10,- und kann auch leicht das zwanzigfache dafür ausgeben. Seine Materialeigenschaften machen ihn so wertvoll für den Outdoorgebrauch und um die geht es hier.

Das Verhältnis von Wärme zu Gewicht fällt bei Fleece immer besser aus als bei Wolle. Wenn es darum geht, auf Tour Gewicht zu sparen, führt kein Weg an Fleece vorbei und daran wird sich auch nichts ändern. Beim Verhältnis Packvolumen zu Gewicht sind die Unterschiede schon nicht mehr so groß. Erst mit speziellen und teuren Fleecevarianten wie z.B. Polartec Thermal Pro High Loft gelangt man in signifikant bessere Bereiche.

Ein weiterer Vorteil von Fleece ist Waschen-Schleudern-Anziehen. Fleece ist pflegeleicht, d.h. man bekommt ihn schnell wieder sauber, kann ihn über Nacht zum Trocknen aufhängen und zur Not auch am Körper trocknen.

Häufig waschen muss man ihn auch, denn nichts fängt so schnell an zu müffeln wie am Körper getragene synthetische Fasern. Ein Nachteil von Fleece ist auch die Neigung zu statischer Aufladung. Je nach Schuhwerk, anderer Kleidung oder auch nur persönlicher Veranlagung kann das sehr lästig sein.

Für den, der gerne am Lagerfeuer sitzt, sind synthetische Fasern generell von Nachteil. Funken schmelzen sofort Löcher auch in das teuerste High-End Kleidungsstück.

Merinowolle statt Synthetik: Wolle und seine Eigenschaften

Mufflon W100

Mufflon W100; Photo: Mufflon

Wollfasern sind komplex aufgebaute Eiweißfasern, die bemerkenswerte Eigenschaften haben. Würde Wolle heute neu erfunden, wäre es die Wunderfaser schlechthin.

Wollfasern verhalten sich Feuchtigkeit gegenüber einzigartig. Sie nehmen in ihrem Innern ca. 30-35% des Eigengewichts an Wasserdampf auf, sind auf der Faseroberfläche aber wasserabstoßend. So perlt Regen von der Oberfläche der Wollfasern ab, während deren Kern die vom Körper abgegebene Feuchtigkeit aufnimmt und sie langsam durch die abgestrahlte Körperwärme wieder abgibt.

Wolle verschmutzt nicht so schnell wie Synthetik. Dreck und Gerüche verbleiben auf der Faseroberfläche, dringen nicht in das Faserinnere ein. Durch ausgiebiges Lüften regeneriert die Wollfaser, Geruch verfliegt, Schmutzpartikel werden abgestoßen.

Aber was Wolle so einzigartig macht, sind ihre temperaturregulierenden Eigenschaften, die so von keinem synthetischen Material auch nur annähernd erreicht werden. Wolle erzeugt um den Körper herum ein einzigartiges Mikroklima, das hat sie mit Daune und Seide gemein.

Ein Beispiel: Im Winter warm angezogen betritt man ein Kaufhaus oder eine Straßenbahn und sofort fängt man an zu schwitzen. Die Jacke wird geöffnet, evtl. zieht man sie auch aus, man hat eben zuviel am Leib. Was man jetzt trägt, macht den Unterschied aus, wie intensiv dieses Gefühl des Überhitzens ist. Wolle als eiweißbasierende Naturfaser puffert solche Schwankungen der Außentemperatur sehr viel besser ab als Synthetik. Das ist etwas, was man selbst erlebt haben muß, um es nachvollziehen zu können. Wolle als Naturfaser fühlt sich am Körper auch natürlicher an.

Merinowolle statt Synthetik: Entweder oder?

Dies ist kein entweder-oder, sondern ein sowohl-als auch. Jedes Material hat seine ganz spezifischen Eigenschaften, die das jeweils andere nicht hat. Entsprechend kann man wählen, was man haben will und kein Material ist „das bessere“.

Merinowolle statt Synthetik: Wolle bei outdoor-professionell.de

Nicht nur die Art der Wolle, sondern auch ihre Verarbeitung macht den Unterschied. Von Naturbelassen bis hin zu chemisch behandelt reicht das Repertoire der Bekleidungsindustrie und auch hier gibt es Vor- und Nachteile auf beiden Seiten.

Derzeit im Test bei outdoor-professionell sind deshalb zwei völlig verschiedene Jacken aus Merinowolle, die beide mit Fleece konkurrieren können.

  • Icebeaker Realfleece Sierra Full Zip ist die „moderne“ Variante, voll waschmaschinenfest und so pflegeleicht wie es bei Wolle nur geht. Jetzt online: Der Test
  • Mufflon W100 Jacke Torup ist ein gewalktes Wollgestrick, bei dem naturbelassene Merinowolle auf ganz traditionelle Art und Weise zu einem isolierenden und leicht windabweisenden Kleidungsstück verarbeitet wird. Jetzt online: Der Test

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