…geht es dem Rest des Körpers auch gut, Teil 2: Gamaschen und Beinlinge halten trocken, sauber und warm.

Gamaschen schützen

Gamaschen schützen

Für viele ist es ganz selbstverständlich, bei schlechtem Wetter eine Regenhose zu tragen. Das ist im strömenden Regen auch sinnvoll, schließlich will man auch untendrum trocken bleiben. Auch z.B. bei einem Wettersturz in den Bergen ist eine wasserdichte Überhose eine willkommene wärmende Schicht.

Allerdings wird es unter einer solchen Hose immer sehr warm und feucht, außerdem rascheln die meisten Materialien beim Gehen ungemein. Man trägt sie also nur, wenn es sein muss.

Deshalb ist eine solche Regenhose wenig sinnvoll, wenn es nur darum geht, Schuhe und Hose vor Verschmutzung, Nässe und Beschädigung zu schützen. Auch wenn man nur verhindern will, dass Schnee oder Steinchen in die Stiefel gelangen, sind Überhosen wahrer Overkill. Da gibt es etwas, dass nahezu perfekt funktioniert und trotzdem ein wenig in Vergessenheit geraten ist: Gamaschen.

Gamaschen: Was ist das?

Rab, Latok Alpine Gaiter

Rab, Latok Alpine Gaiter; Photo: Rab

Gamaschen für den Outdoorbereich gibt es in unzähligen Variationen, aber in der Sache sind sie alle mehr oder minder gleich.

  • Ein „Schlauch“ aus Stoff – zumeist Nylon – mit einer durchgehenden Öffnung, verschließbar mit Reißverschluss und/oder Klettverschluss.
  • Dazu ein Haken am vorderen Rand, der in die Schnürung des Stiefels eingehängt wird, das schützt den vorderen Teil und fixiert die Gamasche.
  • Ein um die Sohle laufender Riemen verhindert das Hochrutschen. Damit dieser benutzt werden kann, bedarf es allerdings einer Schuhsohle mit Absatz.

Normalerweise reichen Gamaschen vom Gummirand des Stiefels bis knapp unter die Knie. Das schützt Stiefel und das halbe Bein perfekt vor Dreck und Nässe. Ein Sonderfall sind halblange Gamaschen. Sie sind leichter und kleiner verpackbar, schützen dafür auch nur die Stiefel. Sie sind angenehmer zu tragen und für die meisten leichten Touren völlig ausreichend.

Wichtig ist auch die Weite, so benötigen schwere, steigeisenfeste Bergstiefel sehr geräumige Gamaschen. Leichte Wanderschuhe dagegen kommen mit enger geschnittenen Modellen aus. Anprobieren sollte man Gamaschen immer, denn vor allem die Weite an den Waden variiert von Hersteller zu Hersteller gewaltig. Kaum etwas stört mehr, als eine zu eng geschnittene Gamasche.

Die Preise variieren gewaltig. Ab € 20,- das Paar bekommt man aber schon was richtig Gutes, das viele Jahre treue Dienste leisten kann. Man kann aber auch problemlos € 100,- für ein Paar Gamaschen ausgeben.

Gamaschen: Worauf man achten sollte

Ein im Knöchelbereich eingearbeiteter Gummizug verbessert bei leichtem Schuhwerk die Passform, die Gamasche liegt enger an. Bei den Alpinmodellen fehlt dieser Gummizug zumeist, da braucht es Platz für die hohen und voluminösen Stiefelschäfte.

Optimal ist eine vorne liegende Öffnung, die mit Reißverschluss und Klettverschluss ausgestattet ist. Solche Gamaschen sind zum einen sehr einfach anzulegen und beide Verschlussarten ergänzen einander. Der Reißverschluss allein ist im strapaziösen Einsatz zu verschleißanfällig. Der Klettverschluss hingegen setzt sich gerne mit Schnee zu und verliert dadurch seine Wirkung.

Bei preisgünstigen findet man häufig nur einen Reißverschluss auf der Rückseite. Der ist dann etwas umständlich zu schließen und theoretisch nicht so langlebig. In der Praxis funktioniert aber auch dieses System sehr gut.

Der Riemen um die Sohle herum ist auch in vielen Varianten vorzufinden. Die einfachen Lösungen bestehen in einer Reepschnur oder einem Nylonband. Sie gehen, je nach Einsatzbereich, früher oder später kaputt. Allerdings sind sie bei Verschleiß ganz einfach auszutauschen. Man kann Jahre mit solchen Befestigungen unterwegs sein, bevor ein Tausch nötig wird.

Bei den teureren sind dan die aufwendigeren Konstruktionen zu finden. Hochbelastbare, kältefeste Kunststoffriemen und Stahlkabel werden verwendet. Die halten nahezu ewig, aber wenn etwas kaputtgeht, muss man die Gamaschen zur Reparatur einschicken. Meist sind es aber die Befestigungsnieten, die den Gebrauch nicht überleben.

Verschiedene Gamaschen
Von links: Tatonka aus Nylon, Bergans aus Baumwollmischgewebe, Lowe Triplepoint Ceramic (ca.1993), Globetrotter „Meru“ Ultralight, Tatonka Kurzgamasche, Wäfo „Beinlinge“

Gamaschen: Der Stoff

Als Material kommt zumeist Nylon zum Einsatz. Einfach wasserdicht beschichtet oder aufwendig wasserdicht/atmungsaktiv, man bekommt alles. Der Preis macht es aus. Ein Sonderfall sind Gamaschen aus Baumwolle bzw. Baumwollmischgewebe. Sie sind natürlich nicht richtig wasserdicht, dafür aber deutlich komfortabler zu tragen. Kein nervtötendes „Wischwisch“ durch aneinanderreibendes Nylon und erheblich angenehmer was Feuchtigkeit von innen nach außen angeht.

In den einfachen Gamaschen wird es durch das wasserdichte Nylon innen natürlich etwas feucht, dass hält sich aber in Grenzen. Man kann solche Gamaschen sehr gut belüften, indem man den Gummizug am oberen Ende einfach offen lässt. Angenehmer sind natürlich atmungsaktive Materialien, sie lohnen sich für den häufigen oder dauerhaften Gebrauch wirklich. Aber egal, welche man auswählt, jede Gamasche versieht ihren Dienst und macht sich schnell unentbehrlich.

Ein Sonderfall sind sog. Beinlinge. Das sind schlicht zwei Hosenbeine, die mit Riemen am Gürtel befestigt werden. Sie schützen die Beine vollständig, sind zudem deutlich billiger und kleiner verpackbar als eine Regenüberhose. Da sie allerdings nicht über einen Hosenboden verfügen, kann man sie nur mit einem (kurzen) Poncho oder einer sehr langen Jacke verwenden. Exzellent sind sie z.B. auf dem fahrrad mit einem radponcho kombiniert. Wäfo und Exped vertreiben solche Beinlinge oder „Chaps“. Auch für diese Beinlinge findet sich immer ein sinnvoller Einsatzbereich.

Bei normalem Gebrauch hält ein Paar Gamaschen Jahrzehnte. Durch Steigeisen verursachte Löcher kann man flicken, Riemen und Nieten austauschen. Nur wenn der Reißverschluss kaputtgeht, lohnt sich eine Reparatur selten, zumindest bei den billigeren Modellen. Das älteste Paar Gamaschen bei Outdoor-Professionell ist mittlerweile zwanzig Jahre alt und wird immer noch benutzt!

Gamaschen: Sinnvoll und unentbehrlich

Das ist das persönliche Fazit aus mehr als dreißig Jahren draußen. Sie sind preisgünstig, robust und langlebig. Nichts kann sie in ihrem speziellen Anwendungsbereich ersetzen, vor allem keine Regenhose. Ob eine herbstliche Wanderung im Mittelgebirge oder eine Hochtour, ein Paar Gamaschen gehört zur Standardbekleidung. Viel Funktion für sehr wenig Geld, wo findet man sowas denn noch?

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