Verwirrt durch das Fachchinesisch bei Ferngläsern? Hier ist das Glossar der Fachbegriffe, allgemeinverständlich erklärt. Es wird sukzessive ausgebaut, alles was auf outdoor-professionell Erwähnung findet, wird hier erklärt

Bildfeldwölbung
Die Bildebene, also die Fläche die scharf abgebildet wird, ist keine senkrechte, plane Fläche. Sie wölbt sich von der Bildmitte zu den Rändern. Man stelle sich eine große Schüssel vor, die man senkrecht mit ausgestreckten Händen vor sich hält. Der Rand der Schüssel befindet sich nicht in einer Ebene mit dem Schüsselboden. Dies ist die Bildfeldwölbung.

Chromatische Aberration
Licht unterschiedlicher Farbe oder Wellenlänge wird in optischen Linsen verschieden stark gebrochen. Dadurch erscheinen an hell/dunklen Kanten, z.B. dunkles Hausdach gegen hellen Himmel, deutliche Farbsäume.

Dachkantprismen
Die “moderne” Bauweise für ein Fernglas, mit ihr wurde deren schlanke, gerade Bauweise möglich. Dabei wird der Strahlengang in sich mehrfach gefaltet, so das der bei Poroprismengläsern übliche Versatz von Okular und Objektiv wegfällt.

Strahlengang bei Ferngläsern
Strahlengang bei DachkantprismenStrahlengang bei Porroprismen

(Grafiken: Wikipedia)

Dioptrienverstellung
Oftmals sind die beiden Augen unterschiedlich in der Sehstärke. Das eine hat z.B. -1 Dioptrie, das andere +3.
Bei einem Fernglas kann man mittels der Dioptrienverstellung diesen Unterschied von vier Dioptrien zwischen den Augen ausgleichen. Dazu ist ein Okular, meist das rechte, mit einem Verstellmechanismus ausgestattet.

Einzelokularfokussierung
Die Scharfstellung erfolgt nicht über einen Mitteltrieb. Stattdessen wird an jedem Okular individuell die Schärfe für ein Auge auf eine bestimmte Entfernung eingestellt, z.B. 200m. Dann kann der Benutzer mittels der natürlichen Anpassungsfähigkeit seiner Augen (Akkomodation) sowohl im Unendlichen als auch im Nahbereich alles scharf sehen.

Globuseffekt; Grafik: Holger Merlitz

Globuseffekt; Grafik: Holger Merlitz

Field-Flattener-Linse
Dies sind spezielle Linsenelemente innerhalb eines Fernglases, die die Bildfeldwölbung ausgleichen. Idealerweise bleibt dadurch das Bild in einer Ebene von der Mitte bis zum Rand scharf. Man muss nicht mehr nachfokussieren, wenn man innerhalb des Bildfeldes die Augen wandern lässt.

Globuseffekt
Beim horizontalen Schwenken des Fernglases entsteht der Eindruck, als ob sich das Bild in der Mitte hervorwölbe. Es wirkt so, als ob eine Kugel die Landschaft “deformieren” würde. Entgegenwirken kann man diesem Phänomen, indem bei der Fernglaskonstruktion eine leichte, kissenförmige Verzeichnung eingebaut wird. (Genaueres zu diesem hochkomplexen Thema kann man hiernachlesen:http://www.holgermerlitz.de/globe/verzeichnung.html)

Kidney bean; Grafik: Lars Giner

Kidney bean; Grafik: Lars Giner

Kidney bean
Dies sind ovale Abschattungen, die im Bild erscheinen und den Durchblick behindern. Idealerweise fängt die Pupille alle aus dem Okular austretenden Lichtstrahlen ein. Durch nicht genau zentrierten Einblick, z.B. beim Wandern des Blicks zum Bildrand, können diese Abschattungen entstehen.

Mitteltrieb
Die Entfernungseinstellung erfolgt über eine zwischen den beiden Fernglashälften liegende Walze. Der “Quasi-Standard” ist die Entfernungseinstellung Richtung Unendlich im Uhrzeigersinn (vom Benutzer aus gesehen).

Papiertest nach W.E.Schön

Papiertest nach W.E.Schön

Papiertest nach W.E.Schön
Ein einfacher Test zur Bestimmung der Neutralität der Farbwiedergabe bei einem Fernglas. Diese wird verkehrt herum über ein weißes Blatt Papier gehalten. Beim Durchschauen erkennt man leicht, ob das das Weiß mit einem (sehr leichten) Farbstich wiedergegeben wird. Die Variationen reichen von gelblich (“warm”) bis bläulich (“kalt”).

Porroprismen
Die Lichtstrahlen verlaufen im Zickzack durch das Fernglas (siehe Grafik bei “Dachkantprismen”). Dadurch kommt die ausladende Gestalt des Fernglases zustande. Die Vorteile dieser Konstruktion liegen in ihrer relativen Einfachheit, verglichen mit Dachkantprismen.

Sweet spot
Der scharf abgebildete, nutzbare Teil des Bildfeldes, gemessen in % des Bildradius (0%=Bildmitte, 100%=Bildrand).

Kissen-und tonnenförmige Verzeichnung; Grafik: wikipedia

Kissen-und tonnenförmige Verzeichnung; Grafik: wikipedia

Verzeichnung
Unter Verzeichnung versteht man die “verbogene” Darstellung gerader Linien im Bild. Bei Ferngläsern ist dieseVverzeichnung weniger in der Bildmitte, als am Bildrand sichtbar. Man unterscheidet kissenförmige und tonnenförmige Verzeichnung.

Vignettierung
Unter Vignettierung versteht man eine Abschattung des Bildes zum Rand hin. Beim Photographieren einer gleichmäßig hellen Fläche, z.B. dem Himmel, lässt sich dies gut erkennen: Die Ecken des Photos erscheinen dunkler.

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