Kowa Genesis 8x33

Kowa Genesis 8×33

Spektive und Großferngläser von Kowa genießen einen sehr guten Ruf. Die Ferngläser dagegen sind in Deutschland relativ unbekannt.Ein guter Grund, ein Modell der Genesis-Baureihe mal genauer zu betrachten. Das universelle Kowa Genesis 8×33 hier im Test!

Was beim Kowa Genesis zuerst auffällt, es wirkt etwas klobig. Keine geschwungenen Linien, gerade und fast kantig kommt es daher. Das mag man mögen oder nicht, die optische Leistung ist jedenfalls vom Feinsten. Im (sehr subjektiven) direkten Vergleich mit der Referenz Nikon EII 8×30 zeigt dieses Fernglas seine Stärken und Schwächen.

Kowa Genesis 8×33 Test: Die optische Leistung

Es ist die Gesamtheit der Leistungsmerkmale, welche die Qualität eines Fernglases ausmachen. Die Ausgewogenheit der optischen Leistung bestimmt den Gebrauchswert bestimmt. Das Kowa überzeugte auf ganzer Linie.

Der Autor verlangt von einem Fernglas erst mal ein großes Sehfeld. Das Kowa bietet 140m auf 1000m, mehr geht (fast) nicht bei 8x-Ferngläsern mit Dachkantprismen. Gut so.

Aber ein großes Sehfeld ist von geringem Wert, wenn es nicht ausgenutzt werden kann. Sehr schön beim Kowa, das große nutzbare Sehfeld („sweet spot“). 80%, gemessen am Bildradius (0%=Bildmitte, 100%=Bildrand) sind so scharf, dass das Auge es problemlos nutzen kann. Es ist nur geringstes Nachfokussieren nötig, denn die Bildfeldwölbung fällt sehr gering aus. Gleichmäßige Schärfe über einen sehr großen Bereich, das erleichtert die Naturbeobachtung sehr. Das Nikon ist gut, das Kowa ist besser.

Richtig gut zu nutzen war dies bei der nächtlichen Sternenguckerei. In den leider sehr wenigen sternklaren Nächten während des Testzeitraums zeigte sich ein Meer von schön scharf gezeichneten Lichtpunkten durch das Fernglas. Lediglich in den besagten äußeren 20% wurden Abbildungsfehler sichtbar.

Die Schärfe ist im Bildzentrum gleichauf mit dem Nikon und damit exzellent. Bei der Helligkeit steht das Kowa dem Nikon ein wenig nach. Deutliche Unterschiede gibt es bei Farbwiedergabe und Kontrast.

Papiertest nach W.E.Schön

Papiertest nach W.E.Schön

Die Farben werden beim Kowa neutral wiedergegeben. Sowohl mit dem Papiertest nach W.E.Schön als auch beim Durchschauen zeigt sich dies. Die Natur erscheint im Fernglas wie in der Realität. Keine Betonung einzelner Farben, wie z.B. den Grüntönen beim Nikon.

An diesen trüben Wintertagen mit nahezu monochromer Landschaft zeigt das Kowa einen etwas geringen Gesamtkontrast. Das Nikon dagegen bringt ein wenig mehr „Pepp“ ins Bild.

Ganz anders beim Mikrokontrast und dessen Auswirkungen auf das sichtbare Bild, da glänzt das Kowa. Objekte mit hohem Kontrastumfang stellt ja so ziemlich jedes Fernglas schön prägnant dar. Anders ist das bei niedrigem Motivkontrast. Zum Beispiel die Fernbeobachtung über größere Distanzen. Einmal quer über das dicht besiedelte Rhein-Main-Gebiet hinweg versinkt selbst bei schönstem Wetter das anvisierte Objekt hinter einem diesigen Schleier.

Das Kowa zeigte z.B. die drei Türme auf dem Großen Feldberg unter solchen Bedingungen deutlicher als die Konkurrenz. Oder der Neubau der EZB in Frankfurt/m., ca. 50Km Luftlinie. Die Kräne auf dem Dach waren mit dem Kowa eben einen Tacken besser sichtbar. Mehr sehen, weniger ahnen, so lässt sich das zusammenfassen.

Aber auch bei geringeren Entfernungen und höheren Motivkontrasten fällt es auf. Bei diesem Kirchturm auf 1000m ist das Zifferblatt ein routinemäßiges Beobachtungsziel. Die Zeiger sieht man mit jedem Fernglas, bei den Indizes wird es schon schwieriger. Am besten ausdifferenziert hat sie das Kowa. Das Nikon kommt dem ganz nah, aber ein leichter Unterschied besteht doch.

Kirchturm auf 1000m und aus der Nähe
Kirchturm auf 1000mKirchturm aus der Nähe

Ein für den Autor sehr wichtiges Kriterium sind die chromatischen Aberrationen, er mag sie nicht. Bei diesem Fernglas sind sie schlichtweg nicht vorhanden! Schon das Nikon zeigt im nutzbaren Bildfeld nur geringe, gut kontrollierte Farbsäume. Das Kowa Genesis 8×33 legt noch eins drauf, sie tauchen erst am weniger genutzten Bildrand ganz verhalten auf.

Besonders auffällig war diese Abwesenheit von chromatischen Aberrationen beim Beobachten eines Schwarzmilans unter strahlend blauem Himmel. Bei solch hohen Kontrasten produziert jedes Fernglas einen Farbsaum, so auch das Nikon. Aber der Wechsel auf das Kowa machte das Beobachten und Bestimmen dieses Vogels nochmal angenehmer.

Kontrast, Mikrokontrast, chromatische Aberrationen. Drei Faktoren, die Kowa in einer bestimmten Art und Weise gewichtet hat. Dem Autor gefällt die Mischung sehr.

Bezüglich „dies ist gut, jenes weniger“, sei gesagt hier wird auf sehr hohem Niveau gemeckert. Solch kleine Unterschiede, nur im direkten Vergleich bemerkbar, klingen schwerwiegender als sie in der Praxis sind.

Schlußendlich Verzeichnung und Globuseffekt, auch hier geht Kowa einen eigenen Weg. In Ferngläser wird ja immer etwas kissenförmige Verzeichnung „eingebaut“. Einzig und allein um den sog. Globuseffekt zu minimieren. Ein Gesamtpaket an Faktoren also, das jeder Hersteller anders auslegt. Beim Kowa fällt die Verzeichnung sehr gering aus, der Globuseffekt ist dementsprechend etwas ausgeprägter. Für den Autor, diesbezüglich sehr tolerant, ein in sich geschlossenes und überzeugendes Konzept.

Kowa Genesis 8×33 Test: Die Ergonomie

Kowa Genesis 8x33, Fokussierwalze

Kowa Genesis 8×33, Fokussierwalze

Zwei wichtige Berührungspunkte gibt es zwischen Mensch und Fernglas: Okular/Auge und Finger/Fokussierung.

Absolut spielfrei muss die Fokussierwalze sein. Weniger geht nicht und genau das hat Kowa auch gut hinbekommen. Bei der ersten Benutzung war allerdings auch ein ganz leichtes Schleifen an einer Stelle in der Entfernungseinstellung zu spüren. Das hat sich im Laufe der Wochen dann gegeben, auch Mechanik muss sich einlaufen.

(Erwähnenswert ist dies deshalb, weil eine saubere Mechanik auch in der Premiumliga nicht immer selbstverständlich ist. Vor einigen Wochen verglich der Autor in einem Fachgeschäft vier Ferngläser deutscher Nobelmarken – Preise von € 1500,- aufwärts – miteinander. Eines davon zeigte fast 2mm Spiel in der Fokussierwalze, so etwas geht gar nicht.)

Ca. 1,5 Umdrehungen braucht es von der Naheinstellung (1,5m) bis Unendlich. Das ist eine gute Übersetzung, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Kowa verbaut eine schöne, leicht geriffelte Metallwalze und auch diese ist gelungen. Eine sehr griffige Oberfläche, angenehm weich im Abrollverhalten und im richtigen Maß leichtgängig. Da passt alles.

Kowa Genesis 8x33, Okular und Dioptrienverstellung

Kowa Genesis 8×33, Okular und Dioptrienverstellung

Die Okulare eines Fernglases sind das Bauteil, das so vieles entscheidet bei der Handhabung eines Fernglases. Wenn hier etwas nicht passt, dann leidet das Einblickverhalten. Da kann das Fernglas noch so gut sein, wenn es dem Benutzer nicht passt, hat das alles keinen Sinn.

Beim Kowa sind die Okulare vom Durchmesser her schön groß gehalten und lassen sich in vier sauber rastenden Stellungen verriegeln. Vor allem aber, ganz subjektiv, das Einblickverhalten ist Spitzenklasse. Ansetzen, passt, fertig. Kein mühsames Feinjustieren der Fernglasposition im Gesicht, keine Abschattungen (kidney beans) außer am äußersten Bildrand, kein Fernglas hat sich bisher so unproblematisch verhalten. Und was nützt die beste Optik, wenn man sie nicht problemlos nutzen kann?

Ein letztes Wort noch zur Dioptrienverstellung. Sie sitzt am rechten Okular, ein gut zugänglicher und verriegelbarer(!) Ring reguliert in feiner Rasterung die Einstellung. Vor allem aber bestand nie die Notwendigkeit der Nachregulierung. Mittlerweile wird bei Ferngläsern mit Dachkantprismen vermehrt auf äußerst kompakte Abmessungen und eine sehr starke Übersetzung der Fokussierung Wert gelegt. Der Nachteil dieser Kombination besteht in einer erhöhten Anfälligkeit für „Diopterwandern“. Beim Kowa war dies während des Testzeitraumes kein Problem. Einmal sauber eingestellt, nie wieder verändert.

Kowa Genesis 8×33 Test: Das Fazit

Das Fazit ist denn auch sehr positiv. Dieses Fernglas passt perfekt zu des Testers Händen und Augen. Es liefert ein neutrales Bild mit seiner sehr exakten Farbwiedergabe. Das große Sehfeld ist scharf bis an den Rand. Keine chromatischen Aberrationen!. Der Gesamtkontrast könnte ein wenig höher sein, aber dafür ist der Mikrokontrast einfach fantastisch. Feine Details werden bei schlechter Sicht einfach besser wiedergegeben.

Mit seinem UVP von € 999,- hat das Kowa die Mittelklasse schon verlassen und kratzt an der Schwelle der Oberliga. In der optischen Leistung jedenfalls kommt es den Premiumferngläsern schon sehr nahe.

Ja, tausend Euro sind sehr viel Geld. Aber bei Ferngläsern beginnt die nächsthöhere Preis- und Qualitätsstufe erst bei ca. € 1500,-. Nicht nur in Relation dazu hat das Kowa Genesis 8×33 ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Die gebotene optische und mechanische Qualität macht dieses Fernglas zu einem sinnvollen Allrounder. Das Geld ist gut angelegt.

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Kowa Genesis 8×33 Test: Japanische Spitzenoptik was last modified: April 4th, 2016 by Alexander Bardua